Honighaus Logbuch: August, 23, 2009
Wir stecken schon seit Monaten in den Vorbereitungen für Chicago 2009.
Dieses Jahr soll alles besser laufen:
Der Versand, Zoll, Warenmenge und natürlich der Umsatz. Aus den Erfahrungen von 2008 können wir verschiedene Kosten bereits im Vorfeld reduzieren.
Heuer planen wir die USA-Lieferung früher zu versenden, um einen Zeitpuffer zu schaffen.
Auch den privaten Bereich möchten wir optimieren. Es muss für die Familie - die fünf Wochen in Deutschland zurück bleibt - vorgekocht und eingefroren werden. Eventuell mehr Wäsche besorgt werden....
Elke kann dieses Jahr nicht mitkommen. Meine diesjährige Partnerin heißt Anne. Alleine wäre es kaum oder sehr schwer zu bewältigen. Habe ein gutes Gefühl.
Mit Lern CD´s versuche ich bei Autofahrten mein Englisch zu verbessern. Ebenso englische Romane und Movies.
In drei Monaten sind wir bereits in Chicago. Wow - wie die Zeit vergeht!
19.09.2009: Genau in zwei Monaten sitze ich im Flieger nach Chicago.
In unserem Lager laufen die Vorbereitungen heiß. Natürlich nicht ohne Probleme und Verzögerungen, obwohl ich schon vor Monaten die Waren für Chicago bestellte. Lieferanten halten sich nicht an Liefertermine oder liefern gleich mal die falsche Ware. Unglaublich!
Am 24.09.09 ist Ausstellertreffen in Nürnberg. Die Stände werden dieses Jahr neu angeordnet und ich hoffe auf einen guten Standplatz.
Bin schon sehr gespannt.
We made it! Heute am 5. Oktober gehen zwei Paletten auf die Reise. Wir haben den Spediteur gewechselt. Ich hoffe, dass mit dem Ex- und Import diesmal alles reibungslos abläuft. Habe das Jahr genutzt, zu lernen.
Viele Wochen Arbeit und große Hoffnungen stecken darin. Die Bedarfsmengen sind noch immer schwer einzuschätzen. Wünsche mir, dass alles passt. Wir haben in Chicago einen neuen und hoffentlich besseren Standplatz erhalten. Der gesamte Markt wurde umgestaltet.
Ich muss auf jeden Fall noch spezielle Kleidung für extreme Kälte besorgen. Man weiß ja nie.
Nun stehen die Vorbereitungen für die deutschen Märkte an. Was bereits jetzt erledigt werden kann, wird gemacht.
Wie immer rast die Zeit. Im Büro, Lager und zu Hause herrscht Chaos. Vorbereitungen für die hiesigen Weihnachtsmärkte laufen. Geschenkkörbe entwerfen, letzte Bestellungen erledigen, Augsburger Bude dekorieren, Buchhaltung und Lohnabrechnungen vorbereiten. Mein Flieger nach Chicago geht am 19.11.2009 um 15.25 Uhr und ich sitze an diesem Tag noch bis 12.00 Uhr im Büro. Ohne Worte !
Eigentlich wollte ich entspannter starten...
Ich muss Henry mit dem ganzen Stress zurücklassen.
Aber eine gute Nachricht bekommen wir von Spedition Hellmann noch in Deutschland:
Unsere Chicago-Lieferung ist bereits durch den Zoll/FDA und wartet im Lager in Chicago auf die Anlieferung an den Market. Good Job Heiko Müller und Christian Marz.
Anne und ich haben einen angenehmen Flug. Alles ist einfacher. Wir sind im selben Apartmenthaus wie 2008 und ich weiß wie, wo und wann ich alles bekomme.
Unsere Bude steht schon. Die Aufteilung am Market ist umstrukturiert und ich denke wir haben diesmal einen guten Standplatz. Ich treffe dort gleich Kollegen von 2008 wieder, wir freuen uns alle.
Aus unserem Lager (voriges Jahr angemietet und alles eingelagert) holen wir Dekomaterial und beginnen in aller Ruhe mit den Arbeiten. Die Anlieferung von Hellmann ist superpünktlich. Wir haben Strom, die Kasse funktioniert und alles scheint endlich zu laufen wie es soll.
Und es ist warm ! Wir haben Temperaturen über 0° C. Wunschkonzert :-))
Der Christkindlmarket wird eröffnet. Wir konnten alles stressfrei vorbereiten.
Leider klappt die Zusammenarbeit und das Zusamenleben mit Anne nicht. Ins Detail gehe ich nicht. Wir kommen überein, dass Anne am 03.12.2009 zurück nach Deutschland fliegt. Der innere Druck und Ärger über die ganze Sache fällt nach ihrer Abreise ab. Ich fühle mich befreit, jedoch werden mir die Folgen auch klar. Scheiße! So war das nicht geplant.
Ganz alleine kann ich die Arbeit nicht schaffen ! Kollegen geben mir Telefonnmmern und empfehlen eine "Local Help" einzustellen. Abends rufe ich an und erreiche einen jungen, amerikanischen jedoch deutschsprechenden Studenten. Er heißt Simon, kommt am nächsten Tag auf dem Markt und ich stelle ihn ein. Er ist zuverlässig und für mich beginnt eine interessante Zeit.
Simon verbessert durch mich sein Deutsch und ich mein English. Er hat Erfahrung im Verkauf und ich kann nur staunen. Er lernt schnell und ich, wie man die Amerikaner am besten berät und bedient. Wenn Zeit ist reden wir über unsere Familien und Länder, Geschichte und Politik. Really very interesting!
Trotzdem habe ich sehr viel zu tun - Urlaub ist das hier nicht.
In Amerika ist immer alles gut. Wie jeden Tag x-mal die Frage "How´re you or how is going?" ...und es geht Dir immer gut - of course - wenns auch noch so ein beschissener Tag ist.
Und/aber vielleicht gerade deshalb sind die Amis irgendwie besser drauf als die Deutschen. Freundlicher, offener, positiver zuversichtlicher und verrückter. Obwohl es den Menschen dort bestimmt nicht besser geht als in Deutschland., z.B. die fehlende soziale Absicherung in USA.
Also antworte ich auf die Frage: " How´s business?" amerikanisch. Denn die Amis haben im Gegensatz zu den Deutschen kein Problem damit zu erzählen, wenn die Geschäfte gut laufen.
Deshalb bin ich ja in Chicago ! Wir haben gutes Wetter, sind besser organisiert, lernen - wissen so langsam was die Amerikaner mögen und erarbeiten uns Stammkunden.
But don´t forget:
Monatelange Vorbereitungen in Deutschland. Fünfwöchige Abwesenheit von der Familie. Täglich ca. 10 Stunden bei jedem Wetter auf dem Market (fast ausschließlich stehend). Vorher Bank und Einkäufe erledigen und abends ins Lager und Waren via Taxi an den Markt schaffen. Sonst wird fast alles zu Fuß erledigt. Danach etwas essen im Apartment und natürlich noch die Abrechnung. Nachts zwischen 23.00 und 1.00 Uhr skypen mit der Familie.
Chicago, December 24, 2009 Time: 4.00 pm - Marktende:
Simon kommt mit seinem Auto, um mit mir die restlichen Waren ins Lager zu bingen. Dadurch benötige ich keinen Leihwagen. Bereits um 16.30 Uhr sind die Waren verladen. Die Deko entferne ich später. Wir laden am Lager ab. Simon muss nach Hause zum Weihnachtsessen. Wir verabschieden uns.
Ich fahre mit der U-Bahn zurück zum Stand und brauche über 2 Stunden um die Dekoration und Lampen abzumontieren. Marcel und Thomas, die Jungs vom Nachbarstand, sind auch noch nicht fertig. Endlich sind unsere Buden leer und sauber. Nochmal ins Lager (Deko einlagern). Zum Abschluss wollen wir zusammen Essen gehen. Leider haben fast alle Restaurants geschlossen. Müde und nach längerer Suche im Regen finden wir ein Lokal, dass 365 Tage im Jahr geöffnet hat. Das Essen ist hervorragend.
Am 25.12.2009 geht unser Flieger back to Germany. Marcel, Thomas und ich haben zufällig den gleichen Flug. Wir teilen uns ein Taxi zum Flughafen und lassen Chicago hinter uns.
Many Thanks to:
Ja, mehr gibts wohl nicht zu sagen...