Die XI. Olympischen Sommerspiele


Die XI. Olympischen Sommerspiele

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Reportagen und Reden anläßlich der Olympischen Sommerspiele in Berlin, August 1936

 

Eine Produktion des Deutschen Historischen Museums Berlin und des Deutschen Rundfunkarchivs Frankfurt/M. und Potsdam - Babelsberg (CD Nr. 3)

 

Klangbeispiel:
05.08.1936: Mitteilung des Olympia-Senders [Track 13]

 

Die XI. Olympischen Sommerspiele im August 1936 in Berlin waren sowohl ein bedeutendes sportliches Ereignis als auch ein großer propagandistischer Erfolg für das nationalsozialistische Deutschland. Als auf dem IOC-Kongreß 1931 in Barcelona und in dessen Gefolge die Olympischen Spiele für das Jahr 1936 nach Berlin vergeben wurden, konnte niemand vorhersehen, daß 1933 Nationalsozialisten in Deutschland die Macht übernehmen und Hitler als deutscher Reichskanzler die Olympischen Spiele offiziell eröffnen würde. Halbherzige Versuche, dem nationalsozialistischen Deutschland mit seinen 1935 verabschiedeten antijüdischen Nürnberger Gesetzen und seinen Konzentrationslagern die Spiele zu entziehen, hatten keinen Erfolg.

Die Nationalsozialisten erkannten sehr früh die propagandistischen Möglichkeiten, die ein solches sportliches - und vermeintlich unpolitisches - Großereignis vor allem auf das Ausland haben würde. Hitler persönlich hat sich - wie Carl Diem erläutert - für den Bau des Reichssportfeldes mit dem Olympiastadion als Mittelpunkt ausgesprochen, der Welt sollte der wirtschaftliche Aufschwung des "neuen Deutschland" eindrucksvoll vor Augen geführt werden. Unverblümt erklärte Edgar Stahff, der Auslandsreferent des Reichssportführers, daß die meisten Auslandsdeutschen Berlin weniger wegen des Sports besuchen werden, "sie wollen vor allem das Reich und seinen Führer sehen": die Olympischen Spiele mutierten so zu einer "großdeutschen Kundgebung", die nur möglich werde, weil Hitler "dem deutschen Volk den Glauben an seine Zukunft wieder gegeben hat". Daß bei deutschen Siegen neben dem Deutschlandlied auch das Horst-Wessel-Lied - die nationalsozialistische Parteihymne - gespielt wurde, war selbstverständlich, auch die häufige Anwesenheit Hitlers in seiner "Führerloge" gab dem Sportereignis eine besondere politische Bedeutung.

Bei den ersten drei Tonbeispielen auf dieser CD handelt es sich um Schallplatten, die vor allem im Ausland verbreitet wurden und dort für das nationalsozialistische Deutschland werben sollten, alle übrigen Aufnahmen - mit einer bemerkenswerten Ausnahme - wurden aus Rundfunksendungen zusammengestellt. Der Olympia-Weltsender ersetzte damals das eigenständige Programm der verschiedenen Reichssender (Hamburg, Köln, Leipzig, München usw.) durch ein Einheitsprogramm aus Berlin, in dessen Mittelpunkt natürlich die Berichterstattung über die Olympischen Spiele stand. Aber auch das einzige weitere deutsche Radioprogramm, das des Reichssenders Berlin, übernahm bei wichtigen Ereignissen die Sportreportagen des Olympiasenders, so daß für 16 Tage tatsächlich die Sportwettbewerbe mit ihren Siegen und Niederlagen die politischen Fragen in den Hintergrund drängten. Auch wurden die Reportagen mittels Lautsprecher auf die Straßen Berlins übertragen, die Wochenschauen brachten umfangreiche Berichte, vor allem aber hatte das Fernsehen eine erste große Bewährungsprobe zu bestehen: in 21 Fernsehstuben konnten die Berliner das Geschehen auf dem Reichssportfeld live miterleben, "kostenlos" und "augenblicksgetreu", wie ein Zeitungsbericht stolz vermerkte. Außerdem hatte die Reichspost in vier Berliner Postämtern Großprojektionsflächen aufgestellt, so daß dort bis zu 300 Personen die Wettbewerbe verfolgen konnten.

Unter den auf dieser CD vorgestellten Sportreportagen ragen die Laufwettbewerbe an Zahl und Länge heraus, einfach deshalb, weil sie am besten die Dramatik des Geschehens auf der Aschenbahn vermitteln können. Zugunsten längerer Ausschnitte, die auch etwas von der damaligen Atmosphäre heutigen Zuhörern nahebringen, wurde auf Kurzreportagen weitgehend verzichtet. Beim Anhören des spannenden Berichts vom 10.000-m-Lauf zum Beispiel erlebt man einen Glanzpunkt der Sportreportage. Von den zahllosen Aufnahmen, die der Reichs-Rundfunk von den Olympischen Spielen 1936 auf Platte oder Folie archiviert hat, ging der weitaus größere Teil verloren. Auch dies hat natürlich die Auswahl beeinflußt, so mußten in mehreren Fällen Zwischenläufe als Ersatz für die fehlenden Entscheidungen dienen.

Die Olympischen Spiele 1936 warteten mit zahlreichen Neuerungen auf, unter anderem mit dem Fackellauf, der das Olympische Feuer aus dem griechischen Olympia nach Berlin brachte, sowie mit dem Internationalen Kunstwettbewerb, bei dem Medaillen für Baukunst, Malerei, Bildhauerkunst, Literatur und Musik vergeben wurden. Um an diese heute vergessene Kuriosität zu erinnern, wird auf dieser CD ein Ausschnitt aus der Rede von Reichsminister Goebbels bei der Preisverleihung wiedergegeben.

Die CD endet mit einer Rede von Rudolf Heß auf dem Nürnberger Parteitag von 1936, einen Monat nach Beendigung der Olympischen Spiele. Mit deutlichen Worten erklärt er vor den nationalsozialistischen Propagandisten - und natürlich nicht vor dem Rundfunk -, wie gelegen die Olympischen Spiele dem nationalsozialistischen Deutschland kamen; seinem abschließenden Satz "Wir haben allen Grund, der Vorsehung dankbar zu sein", muß hinzugefügt werden, daß die Nationalsozialisten immer vorgefundene Gelegenheiten konsequent und ohne Zögern für sich ausgenutzt haben.

Alle auf dieser CD zusammengestellten Tondokumente stammen aus dem Deutschen Rundfunkarchiv Frankfurt am Main/Berlin; zu danken ist André Huthmann, der für eine sorgfältige technische Aufbereitung der 60 Jahre alten Tonaufnahmen sorgte.

Frankfurt am Main, Juni 1996
Walter Roller


Inhalt:

 

Track Aufnahmedatum Titel Dauer
1 1936 Carl Diem, Generalsekretär des Organisationskomitees für die Xl. Olympischen Sommerspiele: Vorschau auf die Olympischen Sommerspiele 3'16"
2 1936 Julius Lippert, Staatskommissar für Berlin: Berlin als Olympiastadt 0'49"
3 1936 Edgar Stahff, Auslandsreferent des Reichssportfühers: Die Olympischen Spiele 1936 und das Auslandsdeutschtum 2'03"
4 28.07.1936 Interview mit Jesse Owens im Olympischen Dorf: Ich hoffe, drei Goldmedaillen zu gewinnen 2'46"
5 29.07.1936 Juliss Lippert begrüßt die Vertreter des DC in der Berliner Friedrich-Wilhelm- Universität 1'16"
6 30.07.1936 Reischspropagandaminister Joseph Goebbels: Ansprache an die Vertreter der ausländischen Presse 1'21"
7 31.07.1936 Reportage von der Übergabe des Olympischen Feuers an der tschechoslowakisch- deutschen Grenze . 2'30"
8 31.07.1936 Joseph Goebbels spricht anläßlich der Übergabe der Medaillen im Internationalen Kunstwettbewerb: "Der Maler steht dem Sport am ferosten" 1'26"
9 1936 Aufruf des Rundfunks zu "Deutschlands Olympischen Spielen 1936" 2'12"
10 01.08.1936 Eröffnungsfeierlichkeiten im Olympiastadion. Adolf Hitler: "Ich verkünde die Spiele von Berlin zur Feier der Xl. Olympiade neuer Zeitrechnung als eröffnet" 3'11"
11 02.08.1936 Reportage vom 10.000-m-Lauf der Männer. Es siegt der Finne Ilmari Salminen vor seinen Landsleuten Askola und lso-Hollo, Vierter wird der Japaner Murakoso 6'18"
12 03.08.1936 Reportage vom 100-m-Lauf der Männer. Jessie Owens unschlagbar". Jesse Owens siegt vor Metcalfe (USA). Dritter wird der Holländer Osendarp 2'36"
13 05.08.1936 Mitteilung des Olympia-Senders 0'38"
14 06.08.1936 Reportage vom 1.500-m-Lauf der Männer. Der Neuseeländeriohn Lovelock siegt vor Cunningham (USA) und Beccali (Italien) 3'02"
15 07.08.1936 Reportage vom 5.000-m-Lauf der Männer: Es siegt der Finne Gunnar Hoeckert vor seinem Landsmann Lehtinen. Dritter wird der Schwede ionsson; wie im l0.000-m-Lauf wird Murakoso nur Vierter 3'49"
16 09.08.1936 Reportage vom Hochsprung der Frauen: Die Ungarin lbolya Csak gewinnt die Goldmedaille vor der Engländerin Odam und vor der Deutschen Elfriede Kaun 3'18"
17 09.08.1936 Reportage von der 4x 100-m-Staffel der Frauen: Es siegen die USA vor Groß- britannien; die führende deutsche Staffelläuferin Ilse Dbrffeldt verliert beim letzten Wechsel den Stab 1'05"
18 09.08.1936 Reportage vom Marathon-Lauf: Überlegener Sieger ist der Koreaner Sah Kee-Chung, der 1936 unter japanischer Flagge als Kitei Son starten muß 3'39"
19 09.08.1936 Reportage von der 4 x 100-m-Staffel der Männer: Die englische Staffel siegt vor den USA und Deutschland 0'52"
20 09.08.1936 Reportage aus dem Schwimmstadion: 100 m Freistil der Männer. Es siegt der Ungar Ferenc Csik vor dem Japaner Yusa 1'15"
21 09.08.1936 Reportage aus dem Schwimmstadion: 100 m Freistil der Frauen (Zwischenlauf) Die im Zwischenlauf über 100 m Freistil siegreiche Holländerin Hendrika Mastenbroek gewinnt im Finale die Goldmedaille; insgesamt erschwimmt sie drei Goldmedaillen 4'31"
22 11.08.1936 Mitteilung des Olympia-Senders 0'48"
23 11.08.1936 Reportage von der Regattabahn Berlin-Grünau: Vierer mit Steuermann (Vorlauf). Hier wie beim Zweier ohne Steuermann (Nr 24) gewinnt das siegreiche deutsche Boot auch den Endlauf 3'58"
24 11.08.1936 Reportage von der Regattabahn Berlin-Grünau: Zweier ohne Steuermann (Vorlauf) 2'42"
25 11.08.1936 Interview mit der amerikanischen Olympiasiegerin im Kunstspringen, Marjorie Gestring 4'03"
26 12.08.1936 Reportage aus dem Schwimmstadion: 400 m Freistil der Männer. Die Goldmedaille erringt der Amerikaner John Medica, Zweiter wird der Japaner Uto 1'18"
27 15.08.1936 Reportage aus der Deutschlandhalle: Finale im Schwergewichtsboxen. Herbert Runge besiegt den Argentinier Lovell 2'01"
28 16.08.1936 Mitteilung des Olympia-Senders 0'34"
29 14.09.1936 Rudolf Heß: Ansprache an die Propagandisten der NSDAP auf dem Nürnberger Parteitag (keine Rundfunkansprache) 2'39"
Gesamtspielzeit 69'56"
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