Tschingis Aitmatow: Die Richtstatt


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Tschingis Aitmatow: Die Richtstatt

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In der Übersetzung von Charlotte Kossuth

Wie ein Stern ist Aitmatow über Kirgisien, im Kreis der Weltliteraturen aufgegangen. Sein Roman »Die Richtstatt«, wie schon sein Gesamtwerk seit »Dshamila«, steht für den Aufbruch in eine neue Qualität der Literatur seines Vielvölkerstaates vom Grenzfluß Bug bis zur Beringstraße, während dieser sich dem Zusammenbruch seiner sozialistischen Grundlagen öffnete.
Aitmatows »Richtstatt« gestaltet Beziehungen einer Bauerngesellschaft mit einer Wolfsfamilie und er fesselt dank seines frischen, souveränen Umgangs mit der Beispielhaftigkeit eines Boston zugunsten der Gesellschaft – auch bei der Gewinnung neuer Weideflächen. Die Wölfe, die in einer Parallel-Handlung in eine von der Administration zwecks Erfüllung des Fleischsolls organisierte Massenabschlachtung von Antilopen geraten, spiegeln ungewollt diesen Boston als deren kritischen Gegenspieler – auch im Verhältnis zum dogmatischen Parteiorganisator.
Zugespitzt wird der Konflikt durch einen Säufer, der zufällig entdeckte Wolfsjunge raubt, um den Verkaufserlös zu versaufen – er beschimpft den erfolgreichen Boston als Kulaken, als rücksichtslos Verantwortlichen für den Tod seines verunglückten Kumpels bei der Besichtigung schwer zugänglicher Weiden und als lachenden Erben von dessen verwitweter Frau.

Mit den Wölfen aber, die bei Aitmatow in ihrer natürlichen Lebensart, als selbständige Romangestalten an der Handlung teilhaben, fängt der Roman an, und er endet, als die Wölfin – mehrfach um ihre Jungen gebracht – Bostons Sohn als »Ersatzjunges« abschleppen will.
Außer den Wölfen, aber ihnen mehrfach begegnend, gibt es als Handlungsteilnehmer den Ex-Seminaristen Awdi, der als »Religionserneuerer« aus dem Seminar exmatrikuliert wird und – wie einem göttlichen Auftrag folgend – sich Haschischsammlern anschließt, um dank seiner gewonnenen Erfahrungen gegen Drogensucht publizieren zu können. Als Fremdkörper von ihnen aus dem fahrenden Zug geworfen, erlebt er schwerverletzt als Vision das Gespräch des Pilatus mit Jesus vor dessen Kreuzigung.
Ob Aitmatow sensibel vorausgespürt hat, dass die Gesellschaft angesichts des zerfallenden Sowjetsystems als erneuerndes Element des Zusammenhalts die Religion wiederentdecken könnte? Oder finden künftige Leser Anstöße zur gesellschaftlichen Erneuerung doch eher in unvergänglichen Literaturen, zum Beispiel – bei Aitmatow?

 

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