Friedrich Schiller im Rundfunk


Friedrich Schiller im Rundfunk

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Historische Erstveröffentlichungen aus den dreißiger und vierziger Jahren

 

Eine Produktion der Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv (CD Nr. wo02)

 

Klangbeispiel:
Hoffnung (für Singstimme und Klavier), Georg Hann (Baß), Reichsender Berlin 6.5.1943 (Track 7)

 

Die vorliegende CD enthält Tonaufnahmen mit Werken von Friedrich Schiller aus den Beständen des Deutschen Rundfunkarchivs (DRA) in Wiesbaden. Als Stiftung der ARD betreut und verwaltet das DRA den Bestand der Reichs-Rundfunkgesellschaft (RRG), der einen bedeutenden Teil seiner Phonothek darstellt. Diese Sammlung entstand nicht nur durch die Tondokumente, die bei den ARD-Rundfunkanstalten vorhanden waren, sondern sie umfasst etwa auch die Kopien von 4500 RRG-Aufnahmen, die sich nach Ende des Zweiten Weltkriegs bei der British Broadcasting Corporation (BBC) in London befanden.

Die CD umfasst Wort- und Musikproduktionen der RRG aus der Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus, die bisher nicht auf kommerziellen Tonträgern erschienen sind und die zum 200. Todestag des Dichters einer interessierten Öffentlichkeit vorgestellt werden sollen. Obwohl der Großteil der Schiller-Rundfunkproduktionen aus den Jahren 1923-1945 nicht überliefert und die Quellenlage sehr unbefriedigend ist, vermitteln die Aufnahmen dieser CD dennoch einen Eindruck vom "Schauspielsendespiel" (Hans Bredow) und von der Interpretation der Schubertschen Schiller-Vertonungen aus der RRG-Zeit.

Die Programmverantwortlichen des Weimarer Rundfunks hatten auch bereits den Wunsch, volksbildend zu wirken und - wie Hans Bredow 1927 schrieb - "Verständnis der Hörer für die großen Zusammenhänge in der dramatischen Kunst zu wecken". Dabei spielten Schillers Werke eine bedeutende Rolle: Wie aus verschiedenen schriftlichen Quellen hervorgeht, begann etwa die Sendebühne der Berliner Funkstunde am 3. Januar 1925 mit einer Aufführung von "Wallensteins Lager". Gut zwei Jahre später strahlte die Funkstunde die vollständige "Wallenstein"-Trilogie aus, und immer wieder tauchte der Name "Schiller" in den Programmen auf.

Natürlich mußten die Schauspiele für den Einsatz im Rundfunk bearbeitet werden. Szenen und ihre Wechsel waren zu beschreiben, eine große Figurenzahl mußte aus naheliegenden Gründen vermieden werden, auch die langen Aufführungszeiten der Dramen stellten eine Hürde dar, denn sie hätten die Aufnahmefähigkeit der Zuhörer bei weitem überfordert. Die auf dieser CD eingespielten Aufnahmen verdeutlichen die Arten der Bearbeitung für das Radio: Zum einen wurden lediglich einzelne Szenen gesendet, die Ausstrahlung von ganzen Dramen erfolgte nur selten, zum anderen kürzte man Schillers Text und achtete auf eine stringente Dramaturgie. Bei längeren Aufnahmen verwendete man zusätzlich das Mittel der Szenenbeschreibung.

Die Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933, die Weisungsbefugnis des Ministeriums für Volksaufklärung und Propaganda und die Besetzung von Schlüsselpositionen mit NSDAP-Mitgliedern im Rundfunk tat der Beliebtheit von Schillers Werken bei den Programmgestaltern zunächst keinen Abbruch. Im Gegenteil, man versuchte, den Dichter gleichzuschalten und - ohne jede Berechtigung - für die nationalsozialistische Sache zu vereinnahmen. So bezeichnete ihn Joseph Goebbels als großen dichterischen "Vorkämpfer unserer Revolution" (Rede von Joseph Goebbels zur Schiller-Gedächtnisfeier in Weimar am 10. November 1934). Dementsprechend aufwändig fielen die Feiern zum Schiller-Jahr 1934 auch im Rundfunk aus, es wurden sämtliche Stücke des Dichters im Rundfunk übertragen und am 10. November 1934 sendeten alle Sender des Reiches ab 20.15 Uhr eine zweistündige Schiller-Feier aus Marbach am Neckar. Viele Tondokumente dieses Großereignisses sind nicht überliefert, bei der Aufnahme von Don Carlos (Take 6 dieser CD) handelt es sich um eine der erhaltenen Raritäten.

Aus der Kriegszeit finden sich keine RRG-Wortaufnahmen von Werken Schillers in den Beständen des DRA. Welche Rolle sie tatsächlich in den Programmen spielten, läßt sich auch an Hand schriftlicher Unterlagen kaum darstellen, denn seit Juni 1941 war der Druck von Programmzeitschriften und die Ankündigungen in der Tagespresse aufgehoben worden. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen gehen aber generell davon aus, dass die Produktion von anspruchsvollen Wort- und Musikprogrammen zu Gunsten von Unterhaltungssendungen reduziert wurde.

Wiesbaden, den 12. Januar 2005

Andreas Rühl (Text aus dem Booklet)


 

Inhalt der CD:
 

Track Titel Dauer
01 Franz Schubert (1797-1828)
Friedrich von Schiller (1759-1805)
Horch - wie die Murmeln des empörten Meeres
op 24,1, D 583 (für Singstimme und Klavier)
Georg Hann - Baß
Franz Hallasch - Klavier
Reichssender Berlin,16.11.1942
4'30"
02 Friedrich von Schiller (1759 -1805)
Demetrius (Dramatisches Fragment)
Szenen aus dem 1. und 2. Aufzug
Regie: Franz Joseph Engel
Demetrius - Franz Joseph Engel
Erzbischof von Gnesen - Josef Bunzl
Marfa - Marianne Rub
Hiob - Friedrich Reinicke
Reichssender Breslau, 22.1.1932
8'00"
03 Franz Schubert (1797-1828)
Friedrich von Schiller (1759-1805)
Thekla (eine Geisterstimme)
op 88,2, D 595 (für Singstimme und Klavier)
Margarete Klose - Alt
Michael Raucheisen - Klavier
Reichssender Berlin, 28.11.1944
5'17"
04 Friedrich von Schiller (1759-1805)
Wilhelm Tell
2. und 3. Szene aus dem 2. Aufzug (Ausschnitte)
Regie: Gerd Fricke
Geßler - Fritz Rasp
Stauffacher - Friedrich Kayßler
Walter Fürst - Rudolf Lettinger
Wilhelm Tell - Heinrich George
Rösselmann - Heinrich Gretler
Sigrist - Helmuth Bergmann
Fischer - Werner Xandry
Melchthal - Erich E. Berg
Baumgarten - Otto Wolgeier
Armgart - Trudik Daniel
Walter Tell - Horst Teetzmann
Rudolf der Harras - Otto Kronburger
Stüssi - Ludwig Andersen
Reichssender Berlin, 3.3.1933
15'08"
05 Franz Schubert (1797-1828)
Friedrich von Schiller (1759-1805)
Der Alpenjäger
op 37,2, D 588 (für Singstimme und Klavier)
Gertrude Pitzinger - Alt
Michael Raucheisen - Klavier
Reichssender Berlin, 1.7.1943
6'11"
06 Friedrich von Schiller (1759-1805)
Don Carlos, Infant von Spanien
10. Auftritt aus dem 3. Akt
Aufnahme für die Schiller-Feier des deutschen Rundfunks
König Philipp II. - Friedrich Kayßler
Marquis von Posa - Paul Hartmann
Reichssender Berlin, 22.10.1934
11'22"
07 Johann Friedrich Reichardt (1752 -1814)
Friedrich von Schiller (1759-1805)
Hoffnung
(für Singstimme und Klavier)
Georg Hann (Baß)
Kleines Orchester unter der Leitung von Hanns Steinkopf
Reichssender Berlin, 6.5.1943
2'01"
08 Friedrich von Schiller (1759-1805)
Maria Stuart
7. Auftritt aus dem 1. Akt
Maria Stuart - Hilde Weissner
Lord Burleigh - Walter Franck
Reichssender Berlin, 24.4.1938
9'32"
09 Franz Schubert (1797-1828)
Friedrich von Schiller (1759-1805)
Der Jüngling am Bache
D 30 (für Singstimme und Klavier)
Karl Schmitt-Walter (Bariton)
Michael Raucheisen - Klavier
Reichssender Berlin, 13.10.1944
4'18"
10 Friedrich von Schiller (1759-1805)
Wallensteins Tod
3. Szene aus dem 2. Akt (Ausschnitt)
Wallenstein - Otto Tressler
Unbekannt, 4.4.1940
3'31"
Gesamtspielzeit 69'54"
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