Kommunen und NS-„Euthanasie“ - Zwischenbilanz im „Fall Teupitz“ sowie Beitrag über eine Einzelfalle


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Kommunen und NS-„Euthanasie“ - Zwischenbilanz im „Fall Teupitz“ sowie Beitrag über eine Einzelfalle

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Die „Irrenanstalt“ im beschaulichen brandenburgischen Städtchen Teupitz war in der NS-Zeit Tatort von Zwangssterilisationen und sog. Zwischenanstalt auf dem Wege zur Tötung von mehr als 70.000 alten, kranken oder behinderten Erwachsenen in den Gasmordanstalten („Aktion T4“). Nach bisherigen Forschungen hat die Anstalt Teupitz 1.884 von ihnen als „lebensunwert“ dem Tode ausgeliefert. Eine münd­liche Weisung Hitlers vom 24. August 1941 habe die „Aktion T4“ be­endet. Tatsächlich ging das Töten dezentral weiter. Anzeichen, dass seither – wenn nicht schon früher – auch in Teu­pitz gemordet wurde, mehren sich; Forschungsdefizite sind bzw. werden offenkundig.

Neue archivalische Quellen belegen, dass die Stadtverwaltung Teupitz Stationen des Leidenswe­ges von NS-„Euthanasie“-Opfern in ihrer Einwohnermeldekartei dokumentiert hat. Beginnend mit der Registrierung von Anstaltsinsassen gem. geltendem Melde­recht, wurden „Verlegungen“ auf Anordnung des Reichsverteidigungskommissars (sog. RVK-Transporte) vermerkt und auch Tötungs­daten eingetragen, die von (Sonder)Stan­desämtern am Sitz von Gasmordanstal­ten nach Teupitz gemeldet wurden. Dass auch andere Kom­munen solche amt­lichen Todesmitteilungen erhielten, ist der zwin­gende Schluss aus der seit Anfang 1939 bestehen­den Erlass­lage. Diese Verwaltungspraxis weist Hinterbliebenen neue Wege bei der Suche von Spu­ren ihrer er­mordeten Angehörigen.

Anhand eines Falles aus der Praxis wird schließlich die Frage aufgeworfen, ob die Anforderungen für die Benutzung von Per­so­nenstands­registern und standesamtlicher Sammelakten für wissen­schaftliche Zwecke (§ 66 Personenstandsgesetz – PStG) mit den Intentionen des Bundesgesetz­gebers im Einklang stehen (gesonderter Beitrag im An­hang).

 

Peter Josef Belli, Jahrgang 1965, studierte Rechtswissenschaft an der Freien Universität Ber­lin (1991 – 1994), Archivwissen­schaft an der Fachhochschule Potsdam (1994 – 1998) und promovierte 2010 am Lehrstuhl für Technikgeschichte der Bran­den­burgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus. Er lebt in Berlin und arbeitet seit 2006 als frei­beruflicher Archivar (www.archivkompetenz.de).

 

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