Ein Wasa macht fit...

Veröffentlicht am von

Ein Wasa macht fit...

CS101...und damit meine ich nicht das knallharte Schwedenbrot, sondern die gar nicht einmal so harte 90-km-Distanz, die durch den skandinavischen Ski-Wettkampf zur Legende wurde.
Ich möchte hier wieder ein wenig mehr auf Blogger-Art den Cross-Skating Sport darstellen und in kürzeren Abständen von alltäglichen Erlebnissen beim Cross-Skaten berichten.
Gestern bin ich spontan 90 km mit meinen Cross-Skates gefahren, was ich sonst doch viel mehr planen würde, doch diese "Nach-Feierabend-Runde" hat sich wirklich sehr spontan ergeben und ich habe sie nicht bereut. Ein Kunde und noch recht neuer Cross-Skater wollte gern auf mein Angebot eingehen und nach einem Sondertermin im Laden noch eine Runde mit mir drehen. Sven hat ein Faible für lange Strecken, also schlug ich 20 km vor mit der Option auf bis zu 30 km zu verlängern. Ich wollte ohnehin einfach mal wieder raus und bei einer gut zweistündigen Trainingseinheit ein wenig die Seele baumeln lassen.

Grundsätzlich fühle ich mich nicht in Bestform, dafür waren die letzen Monate von zu vielen Krankheitspausen unterbrochen. Sven zählt sich gerade erst vier Monate zu den Cross-Skatern, stand allerdings erstklassig ausgerüstet in der Startlöchern. Bei 30°C Außentemperatur, praller Sonne und Windstille ging ich auf Nummer sicher und nahm neben zwei 750-ml-Flaschen noch etwas einen Liter Wasser in einer Trinkblase in meiner Hüfttasche mit. Zwei weitere Flaschen stelle ich bei meinem Startpunkt bereit, weil ich geplant hatte bei km 30 einen neuen Getränkevorrat aufzunehmen.

Um 17.30 Uhr ging es los. Sofort musste ich Sven bremsen, da seine Erfahrung nur bis 22 km ausreichte, heiliges Kanonenrohr, wie derJunge loslegte. Sein Stil war märchenhaft, sogar ohne Vorkenntnisse im Skilaufen. Die ersten 15 km waren nach 48 Minuten geschafft, Dank des flotten Tempos hatten wir guten und gleichmäßigen Fahrtwind, der die Temperatur erstaunlich erträglich machte. Ein schöne verkehrsarme Runde durch die Mainspitze ließ wirklich den Kopf auf Durchzug schalten. Auf der zweiten Hälfte ließ ich Sven das Tempo machen, was er schön gleichmäßig hinbekam, aber auch diszipliniertes Windschattenfahren gehörte zu seinem Repertoire, ein durch und durch angenehmer Trainingspartner. Zum Glück schien sich die gesamte Bevölkerung in den Freibädern eingelagert zuhaben. Auf den Straßen herrschte so gut wie kein Kraftfahrzeugverkehr, wir konnten alle Kreuzungen ohne Stopp passieren. Zusammen mit der Windstille herrschten Laborbedingungen für schnelles Fahren, was ich gar nicht vorhatte, aber nun unvermeidlich war, wir hatten uns bald auf einen Fahrtwind von mindestens 18 km/h eingestellt unterhalb von 16 km/h wurde es spürbar unangenehemer.

Zum Glück war meine Hitze-Akklimatisation schon abgeschlossen, Sven schwitzte sichtbar mehr als ich, doch er musste ja auch nur für rund 90 Minuten haushalten. Dann machte er mir noch ein sehr sportliches Abschiedsgeschenk, indem er nach 1:34 Stunden kurz vor km 30 kurz antrat und sich die Flaschen an meiner Verpfelgungsstelle angelte und mir anreichte, damit ich ohne Stopp weiter rollen konnte. Gut gemacht Sven, vielen Dank und Gratulation zum 19er-Schnitt! Du sagst, du seist kein Wettkampftyp, aber in einem Jahr würdest du alles in Grund und Boden fahren, was ich auf Cross-Skates kenne. Aber Wettkämpfe sind nicht jedermanns Sache, auch mit solchen Trainings-Touren allein kann man glücklich werden.

Meine leeren Trinkflaschen segelten über den Gartenzaun. Jetzt allein, musste ich mein neues Tempo finden. Der Puls ging immer noch mit konstanten 140 Schlägen in der Minute, während ich die Runde zum zweiten mal anging. Ich hatte jetzt drei attraktive Optionen: 11 km, 16 km, 20 km oder 30 km, also die Runde exakt wiederholen. Eigentlich wäre die vernünftige Variante die 11-km-Runde, also 41 km gewesen, dafür hätte ich aber die Getränke nicht gebraucht, da ich noch für eine gute Stunde unangetastete Reserve im Trinkbeutel hatte. Und Sven hatte sich so nett bemüht mir das Weiterfahren mit frischen Getränken zu erleichtern. Das verpflichtete mich dann zu mindestens 50 km, also einem "Fuffi".

Es wurde dann aber doch noch mehr. Nach weiteren 8 Kilometern im ruhigen Rhythmus dachte ich, dass Rückenwind aufkäme, der Tacho zeigte kilometerlang 20 oder 21 km/h an, ohne einen erhöhten Pulsschlag. Das war also kein Grund, das Tempo "unnötig" herauszunehmen, es war ein zweiter Wind nach exakt zwei Stunden Warmfahren. Wie schon erwähnt, mit meinem Trainingsaufbau in 2018 bin ich noch nicht zufrieden, aber vielleicht machte sich nun mein ziemlich konsequentes Wintertraining bemerkbar? Die Marathonmarke passiert ich dann nach 2:11 Stunden, es lief wirklich alles wie geschmiert, bis jetzt ohne einen einzigen Stopp, was mir auch viel lieber war, denn, wie sehr würde ich ohne Fahrtwind schwitzen? Auch auf der zweiten Runde war die Mainspitze mit ihren perfekten Wegen nicht langweilig. Und wie gesagt, kein Verkehr, auch kaum Bauern auf den Feldern, bis jetzt rund 60 Störche gezählt und - interessanterweise . schon vier Frauen begegnet, die gnadenlos ihr Lauftraining bei der Hitze absolvierten, von Männern keine Spur!

Km 50 zog nach 2 Stunden 33 an mrt vorbei, der Schnitt erhöhte sich. Doch jetzt ging ich es ganz rational an, so eine Tagesform und so ein, zumindest für mich, perfektes Wetter, das sollte ich doch noch besser nutzen. Dieses Tempo könnte ich, ganz tiefenentspannt, noch bis über 60 km weiter rollen, meine Getränke reichten sogar  noch bis über 80 km. Also eine dritte Runde dranhängen? Ja, für machen Langstreckenfreak fängt die Langstrecke ohnehin erst über 60 km an, da sollte doch für mich nichts dagegen sprechen, da ich mit langen Wettkämpfen und Trainingseinheiten bis 14 Stunden Dauer auch früher nie Probleme hatte. Die zweite Runde und km 60 beendete ich dann nach 3:03 Stunden. Die Zwischenzeit für km 75 habe ich leider verpasst, weil ich völlig abgeschaltet hatte und mit wieder minimal verringertem Tempo völlig in der Bewegung aufging. Den Doppelmarathon passierte ich in 4:18 Stunden, den zweiten Marathon also in 2:07 also noch schneller als den ersten. Erst nachher fiel mir auf, dass ich dabei meine "uralte" Marathon-Bestzeit von 2006 oder 2007 unterboten hatte und damals musste ich sogar etwas "beißen". Auch die dritte Runde war kein Bisschen langweilig, bald hatte ich 100 Störche gezählt, Doppel- und Dreifach-Zählungen nicht ausgeschlossen. Fast auf den Meter genau hatte ich am Ende 90 km zusammen, exakt die Wasa-Lauf Distanz. Die Sonne ging gerade unter und es hatte sich auf 27°C "abgekült".

Nach 4:35 Stunden, ohne einen einzigen Stopp, ging es mir sehr gut und ich dachte sogar kurz darüber nach, noch direkt die 11 km-Runde anzuhängen, um mich an der inoffiziellen 100-km-Bestzeit zu versuchen. Aber es sollte ja eine relaxte Feierabendrunde sein, Ehrgeiz stand an diesem Abend nicht auf dem Plan, also ließ ich es dabei. Ich war mir auch nicht sicher, wie die aktuelle Bestzeit lautete, hochgerechnet hätte ich ich 100 km wohl in ca. 5:06 Stunden geschafft. Unter 5 Stunden sollten mir also möglich sein, von etwas talentieteren Cross-Skatern wahrscheinlich sogar unter 4:40 Stunden. Aber eigentlich sind die Extrem-Langstrecken gar nicht das, was ich anstrebe, weiter und noch weiter geht es immer. Ich stelle nur fest, dass ich solche Langstrecken erstaunlich gut "nach Plan" absolvieren kann. Für sinnvoller halt ich die Trainingsdistanzen zwischen 15 und 40 km, für langsamere Sportler etwa 12 bis 30 km. Die Kilometer sind es nicht, die besonders viel bringen, aber manchmal braucht man sie auch für den Kopf.

Was ist wichtig auf solchen Langstrecken?

  • Störungsfreie Strecken bevorzugen.
  • Persönlich angenehmes Wetter bevorzugen.
  • Gute Zeiteinteilung, gleichmäßiges Tempo und keine Heißsporne in der Gruppe.
  • Vorher ein solides Grundlagenausdauer-Training und Techniktraining absolvieren.
  • Stilwechsel alle paar Minuten.
  • Viel Trinken!
  • Ausrüstung genau überprüfen.
  • Stockspitzen vorher gut schärfen, denn schon nach 50 km spürt man, wie sie stumpfer werden.
  • Wer einen hohen Schnitt rollen möchte, keine Pausen machen! Danach kostet das Akklimatisieren mehr Zeit und Energie, als der Stopp an sich. Dann besser beim Rollen verpflegen, auch wenn man nur langsam dabei rollt.
  • Leichte Verpflegung mitführen, wer keinen robusten Fett-Stoffwechsel mitbringt.
  • Aufhören, wenn wenn nicht gut läuft!

Ich hätte übrigens für alle Strecke über mehr als 50 km etwas Verpflegung mitgenommen, aber es ging bei mir auch mit ausschließlicher Flüssigkeitszufuhr. Mein Fett-Stoffwechsel ist einiges gewohnt und sehr "einsatzfreudig", in solchen Fällen. Danach hatte ich noch nicht einmal Hunger. Das ist aber so nicht zur Nachahmung empfohlen, denn ich bin seit fast 40 Jahren Ausdauersportler.

Für die Statistiker, hier noch meine Zwischenzeiten:
km 15 - 0:48 h
km 30 - 1:34 h
km 42,2 - 2:11 h
km 50 - 2:33 h
km 60 - 3:03 h
km 75 - ca. 3:49 h
km 84,4 - 4:18 h
km 90 - 4:35 h

Und vielen Dank noch einmal an Sven, für das perfekte Einroll-Tempo!
Frank

 


Das Schreiben von Kommentaren ist nur für registrierte Benutzer möglich.
Anmelden und Kommentar schreiben Jetzt registrieren