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Fehler

Fehler in Porzellan


Bevor wir hier auf eine Reihe von fehlerhaften Merkmalen von Porzellan eingehen, ist es wichtig, die produktionsbedingten Zufälligkeiten bei der Herstellung hervorzuheben. Porzellan ist ein Endprodukt, das im traditionellen Herstellungsverfahren zwischen 25 und 18% seiner formgegebenen Körpergröße verliert (Schwindung) und im Feuer bei ca. 1.350° C gebrannt wird. Das macht letztlich jedes Stück Porzellan zu einem Unikat und widerspricht den Anforderungen einer 100%-igen industriegefertigten Gleichheit. Vor allem aber ist es wichtig, die Qualitätsunterschiede von Porzellan in den verschiedenen Sortierungsformen (I. Wahl / Mischsortierung u.a.) zu kennen und verstehen. Bei den nachfolgenden Beispielen handelt es sich größtenteils um Porzellanartikel unserer Kollektion, die im Rahmen der üblichen Qualitätsselektion festgestellt wurden.

Es gibt sehr viele Merkmale, die uns eine Fehlerhaftigkeit von Porzellan vermuten lassen. Die Mehrzahl solcher Fehler liegt vor allem in der emotionalen und subjektiven Wahrnehmung des Anwenders. Klar ist, je sichtbarer ein Fehler im Porzellan erscheint, desto störender nimmt man in wahr. Sobald ein Fehler im Porzellan die bestimmungsmäßige Verwendung beeinträchtigt, spricht man von Fehlware - Beispiel dafür: Ein Stapelbecher lässt sich nicht stapeln. Der Qualitätsanspruch einer Ware (Kollektion/Fabrik), aber vor allem die Preisstellung ist entscheidend, welche Art von Fehlern für den Artikel vertretbar sind (s.h.Porzellanqualitäten​)Marken, die ausschließlich nur ausgelobte I. Wahl liefern, stammen - sofern es diese überhaupt noch gibt - nur aus dem Premiumsegment, also 10 Euro für eine Obertasse aufwärts.

Oft gibt es aber auch "Soll-Fehler", die aus der fertigungstechnischen Eigenschaft eines Produktes stammen. Nachfolgende Bilder und Beschreibungen sollen helfen, das gegenseitige Verständnis von Herstellung und Anwednung zu erhöhen und das Beurteilungsvermögen der Verbraucher hzu stärken. 

 


Brandflecke
 

sind auf der Außenseite des Porzellan gut sichtbare, dunkle Einschüsse. Bitte nicht zu verwechseln mit den dunkelbraun ausblutende Eisenflecken (s.u.). Der typische Brandfleck entsteht meist durch minimale Verunreinigungen in der Ofenatmosphäre oder herabfallende Feststoffe bei der Aufstapelung, die dann im Hartbrand auf der Oberfläche der Glasur zu diesen eingebrannten Verunreinigungen führen.  Sowohl Brand- als auch Eisenflecke sind i.d.R. vor dem Brand definitiv nicht sichtbar. Allesamt erscheinen erst nach dem Brand und lassen sich nicht mehr rückstandslos entfernen. Deutlich sichtbare Brandflecke (siehe Bild) oder eine Anzahl von mehr als 2 auf der Oberfläche sind definitiv B-Sortierung.

 


 

Craquele - Krakeelerisse 
 

 

Definition Craquele von Holst Porzellan.

 

Als Krakelee oder Craquelerisse bezeichnet man ein maschenartiges Netz von kleinen Rissen oder Haarrissen in der Glasur, die bis zum totalen Verlust einer hygienischen Darreichung von Speisen oder Getränken führen können. Die alleinige Ursache besteht in der Entstehung unterschiedlicher Spannungen, die während eines dauerhaften Gebrauch zwischen der Scherbe und der darüberliegenden Glasur entstehen. Das Einfüllen siedender Getränke oder das Nachspülen bei > 80 ° C verursacht eine thermische Belastung, dem der Artikel nicht gewachsen ist. Die Scherbe selbst ist poröser als die auf ihr liegende Glasur und damit in Bezug auf die physikalische Masse unterlegen. Sie erwärmt sich langsamer als die Glasurschicht und so kommt es zu unterschiedlichen Ausdehnungen. Die Massen ziehen sich bei Kälte unterschiedlich zusammen, bzw. bei Wärme dehnen sie sich unterschiedlich aus. Somit reißt quasi die Verbindung dieser beiden Stoffe auseinander und lässt das Kraquelee entstehen.

 

Mit zunehmendem Gebrauch vergrößern sich diese Haarrisse und bilden schließlich Flächen und Furchen für die Ansammlung von Fremdstoffen. Besonders Tee und Kaffee hinterlassen in Craqueleglasuren ziemlich unschöne Farbgebungen. Der Artikel selbst verliert seine Eigenschaft zur hygienischen Darreichung von Speisen und Getränken und sollte sofort außer Dienst gestellt werden. Als Fausregel gilt, je geringer die Brenntemperatur, desto höher das Risiko von Craquelerissen. Damit ist auch schon beschrieben, dass es sich nicht um einen Fehler im Porzellan handelt, denn die Bildung von solchen Glasurrissen obliegt ausschließlich der Keramik. Hartporzellan wird bei mind. 1.350°C gebrannt und hat somit eine der Glasur gleichgesetzten physikalischen Dichte und ist definitiv nicht anfällig für Craqueleerisse. 

 

Im Namen der Hersteller von Keramik für Tisch und Tafel (nicht wir von Holst Porzellan) sei aber die Lanze gebrochen, dass Craqueleerisse kein Mangel an der Ware darstellt sondern als materialbedingte Abnutzung einzustufen ist.  

 

 

 


 

Deformationen (kaum sichtbar)


Die geringe (kaum sichtbare) Deformationen der oberen, runden Öffnungen (z.B. Schalen und Tassen) ist eine natürliche, produktionsbedingte Eigenschaft von Porzellan, welches nicht auf der Borde (oberen Mundrand der Tasse) gebrannt wurde (siehe oben unglasierte Borde).​ Aufgrund der Formgebung und der feuchtigkeitshaltigen Masse, die im Brennvorgang zwischen 13 und 18% ihres Volumens verliert (Schwindungsvorgang)ist die Deformation von Porzellan definitiv nicht auszuschließen. Ein mathematisches "Rund" ist bei keinem Porzellanartikel vorzufinden! Es obliegt dem subjektiven Betrachter, wann die Deformation störend auf einen Artikel einwirkt.  Deformationen können als Mangel nur dann anerkannt werden, wenn der Artikel seine optische Anmutung (Bild unten) oder seine Funktion (meist seine Stapelfähigkeit) durch Deformation verliert.

 


 

Deformationen (Stark sichtbar)
 

 

Klarer Fall: II. Wahl! Im Verarbeitungsprozess sind Faktoren außerhalb der normalen Fertigungstoleranzen aufgetreten, wie am Beispiel links eine unsachte Entnahme der Löwenkopfterrine aus der Gießform. Im Laufenden Herstellungsprozess von Porzellan gibt es leider eine ganze Reihe von Quellen, die für eine Deformation in Frage kommen, größtenteils sind alle auf "menschliches Versagen" zurückzuführen.


 

Deformation gelehrter Ware

 

Besonders unschön wirken sich Deformationen bei Funktionsartikeln (gelehrter Ware) aus, wenn Schwindungen die Funktionsfähigkeit (Stapelfähigkeit) des Porzellans beeinflussen. Schon wenige Millimeter reichen aus, einem Systemartikel seine zugedachte Funktion zu rauben und das Porzellan unbrauchbar zu machen. Das ist einer der Gründe, warum Systemporzellan "gelehrt" sein muss. Wichtig: Als Systemschale für Krankenhausporzellan ist die Schale (Bild links) definitiv II. Wahl, da es hier vor allem auf die Stapelfähigkeit und Genauigkeit ankommt. Als "billige Suppenschüssel" auf einem Volksfest stünden Preis- und Leistung in einem annehmbaren Verhältnis!

 


 

Eisenflecke
 

 

sind tief im Scherben verankerte, bräunliche Ablagerungen, die nach außen ausbluten. Gerne werden diese mit den Brandflecken verwechselt, entstehen aber auf andere Art. Augenscheinlich können Eisenflecke sowohl unter der Glasur liegen, als auch eine offenporige Verbindung mit der Glasur aufweisen. Verantwortlich sind mikroskopisch kleine Verunreinigungen der Porzellanmasse durch metallische Feststoffe (Eisen bzw. Eisenoxyd), die normalerweise auf elektromagnetischem Weg dem pulverisierten Rohstoff entzogen wird, bevor dann aus den verschiedenen irdenen Stoffen (Kaolin, Feldspat, Quarz und Wasser) die Porzellanmasse angerichtet werden kann. Eisenflecke erscheinen erst nach dem Hartbrand und lassen sich nicht entfernen. Gut sichtbare Eisenflecke auf der Oberseite des Porzellan sind als "B-Ware" einzustufen.

 


 

Farbabweichungen
 

sind geringe Farbabweichungen von Volldekorfarben bzw. Fontfarben und völlig normal bei farbigem Porzellan und Keramik. Farbunterschiede unterstreichen den handwerklichen und individuellen Charakter einer traditionellen Porzellanfertigung. Diese rein optischen Unterschiede entstehen meist durch die zeitlich voneinander versetzt liegenden Fertigungstermine der einzelnen Artikel. Die Glasur- bzw. Fontfarben werden jeweils individuell für eine Charge aus verschiedenen Bestandteilen zusammen gemischt und die Farbkompositionen können schon durch minimale Abweichungen im Milligramm Bereich die optischen Unterschiede aufzeigen. Porzellanfarben lassen sich eben nicht wie eine RAL oder HKS-Farbe exakt produzieren.


Bei Vignetten oder Buntdruckdekoren erscheinen - durch die kleineren Ansichtsflächen - die Farbunterschiede geringer als bei vollflächigen Fontfarben (Tauch- oder Spritzglasur).

 


 

Feststoff-Rückstände (von Tee und Kaffee)
 

sind ebenfalls keine Fehler des Porzellan! Tee und Kaffee enthalten i.d.R. ätherische und fettende Öle, Koffein und Alkaloide (Thein). Diese Mixtur, thermisch erhitzt, bildet einen zähflüssigen Schmier der alles umschließt, was mit ihm in Berührung kommt. In Kannen und Tassen hinterlassen sie nachhaltige Spuren, denen man mit üblichen Spül- oder Reinigungsmitteln nicht mehr beikommt. Weitläufig herrscht die Meinung, dass sich das Porzellan verändert hat und die Fremdstoffe in die Glasur eingedrungen sind. Das ist definitiv falsch! In Ländern ausgeprägter Teekultur lernt man, dass die Teetassen niemals gespült, sondern nur ausgekocht werden. Mit dem deutschen Auge betrachtet, empfinden wir die typisch chinesischen Teeschalen oder die marokkanischen Kaffeetassen als unappetitlich und dreckig! Mikrobiologisch sind aber die Rückstände von chemischen Spülmitteln weitaus gefährlicher, als die optischen Rückstände von Thein, Fetten und Ölen. Auch der ostfriesische Teegenießer wischt seine Tassen nach dem Spülen nur mit heißem, klaren Wasser sorgsam nach. Ebenso wie den oben beschriebenen Porzellanabrieb lassen sich alle Rückstände auf der Glasur mit einem Porzellanreiniger beseitigen (siehe Bild links). Ein altes Hausrezept ist auch eine Brausetablette Kukident Prothesenreiniger: Diese im Gefäß auflösen lassen bekämpft mit einem Wirkungsgrad von über 80% ebenfalls fast alle Rückstände auf Porzellanglasuren.

 


 

Gewichtsunterschiede
 

Der gewöhnliche, bestimmungsmäßige Gebrauch von Porzellan erfolgt i.d.R. unabhängig vom Gewicht eines Geschirrteils. Der Kellner hätte gerne einen Teller "so leicht wie möglich", der Gast "so temperaturanhaltend wie möglich", der Einkäufer "so günstig wie möglich" und der Inhaber "so langlebig wie möglich". Es ist nicht einfach, dieser Anforderungsvielfalt gerecht zu werden. Echtes Hartporzellan(ohne Additive) hat eine hohe Dichtigkeit und damit ein hohes Eigengewicht (Temperaturstandfestigkeit).

Für erhebliche Gewichtsunterschiede eines Geschirrteiles ein- und derselben Bauart sind gleich mehrere Toleranzfaktoren verantwortlich und können, je nach Fertigungsart (Gießen, Drehen, Pressen) und Fertigungsmethode (halbautomatische oder vollautomatische Herstellung) unterschiedlich ausfallen. Gewichtstoleranzen zählen deshalb zu den gewöhnlichen, Bauart bedingten Schwindungstoleranzen von keramischen Erzeugnissen. Hohlteile sind davon eher betroffen als Flachteile, Gußteile eher als Pressartikel, manuell gefertigtes Geschirr eher als vollmaschinell hergestelltes Porzellan. Ebenfalls nimmt die Produktionscharge Einfluss auf das Gewicht, denn die Rohmassen (Kaolin/Feldspat/Quarz) sind nicht immer von gleicher Konsistenz. Daraus eine exakte Abweichungsregel zu formulieren, vermögen wir hier nicht zu leisten.

 


 

Glasurnasen (unregelmäßig)
 

Glasurnasen

 

Der Artikel wurde während des Glasurvorganges nicht ausreichend "geschwenkt". Die zähflüssige Glasur sinkt im Ruhezustand bei Austrocknung nach unten und zeigt auffällige Nasen und Faltenbildung. Unter Lichtbrechung werden diese Unebenheiten besonders sichtbar und das Porzellan verliert an Anmutung. Glasurnasen entstehen durch unsauberes, meist zu schnelles Arbeiten beim Glasieren der Ware. Der Scherben hat zu wenig Zeit, die flüssige Glasur aufzunehmen. Dieser Fertigungsschritt erfolgt demnach mit mangelnder Sorgfalt und ist ein klarer Mangel! 

Kleinere, oft nur im Gegenlicht, oder durch Schwenken des Artikels sichtbare Glasurnasen, die meist bei aufsteigenden Fahnen oder Kanten zu sehen sind, lassen sich hingegen nur schwer vermeiden, weil die Fließgeschwindigkeit der Glasur auf dem Körper unterschiedlich, je nach Steigung der Wandung ausfällt. Selbst sorgsames Schwenken der Ware kann oftmals eine kleine Nasenbildung nicht ausschließen und ist kein Mangel. Ob unregelmäßige Glasurnasen als Fehler bezeichnet werden können, obliegt in der Regel der Preisstellung, die wiederrum die Sortierkriterien des Porzellan bei günstiger Ware großzügiger gestalten, als bei hochwertigen Qualitäten. 

   


 

Glasurnasen (gerader Form)

Erstreckt sich eine Glasurnase wie eine gerade Linie (Naht) über die Länge bzw. Höhe eines Porzellankörpers, handelt es sich meist um Schalen oder große, gepresste Platten, die in einer Gipsform hergerstellt wurden. Diese optische Erscheinung kann drei Gründe haben.

 

1. Möglichkeit: Die Gipsform "braucht" einen minimalen Anteil Sodium Silikate, die quasi als Trennmittel fungieren, damit sich das Porzellan nicht mit der Gipsform verbindet. Wird nun unter starkem Druck die Porzellanmasse in die Produktionsform gepresst, kann es schon bei sehr geringer Dosierung von Sodium Silikat vorkommen, dass die Masse wie eine Tsunami-Welle die Silikate bündelt und vor sich hertreibt. Am Kontaktpunkt der Masse, meist an der Öffnungskante der Form, kommt es dann zu einer komprimierten Menge der Sodium Silikate, die dann erst nach dem Hartbrand die Glasurnase sichtbar machen. 

2. Möglichkeit: Die Gipsform wurde zu oft benutzt und an den Öffnungspunkten haben sich minimale Abnutzungserscheinungen geblidet. Auch hier kann man den Fehler nicht schon während des Herstellungsprozesses entdecken.

3. Möglichkeit: Die Gipsform wurde minimal "unsauber" angefertigt. Schon ein zehntel Millimeter reicht aus, dem Porzellanartikel am Ende eine "Glasurnase" zu verpassen.

 

Egal welche Möglichkeit letztlich die Ursache für die Glasurnase ist, es ist und bleibt ein rein optischer Eindruck, der die Verwendungseigenschaft eines Artikels nicht beinflusst. Aufgrund krasser Preisvorgaben der Kunden ist eine Fabrik schnell verleitet, eine Form 20-50-oder 100 mal mehr zu gebrauchen, als es der Abnutzungsgrad zulässt. Auf diese Weise lassen sich schnell bis zu 15% der Produktionskosten einsparen. Dementsprechend stellen wir auch hier fest, dass letztlich die Wahrnehmung/Reklamationsfähigkeit solcher Glasurnasen in Abhängigkeit zum Preis stehen.     

 


 

Glasurrisse (produktionsbedingt)

lassen sich in zwei Gruppen unterteilen; die produktionsbedingten und die durch unsachgemäßen Gebrauch (Spülbruch). Produktionsbedingte Glasurrisse sind kleine bis mittlere, saubere, d.h. uncraqueletierte  Sprünge, die nicht durch das ganze Stück gehen, sondern nur innerhalb der Glasur selbst, also an der Oberfläche auftreten. Meist entstehen diese an Stellen, an denen die Glasur etwas dicker aufliegt. Glasurrisse müssen nicht unmittelbar nach der Produktion zu sehen sein, sie können auch noch nach Jahren des Gebrauches auftreten.


Nimmt die Anzahl der "Haarrisse" bei Gebrauch zu und verändern diese vor allem ihre Breite, dürfte es sich bei dem Artikel aller Voraussicht nach nicht um einen Porzellanartikel handeln.

 


 

Glasurrisse (unsachgemäßer Gebrauch)

 

 

Glasurrisse in Porzellan werden gerne mit Craquelerissen verwechselt. Im Gegensatz zum Craquelee entstehen diese Merkmale nicht durch eine thermische, sondern durch eine physische Belastung, die dann wiederum durch einen thermischen Vorgang begünstigt wird. In den meisten Fällen kommt es zum Glasurbruch in Spülküchen an den sog. Kontaktpunkten von Stapelware. Sie werden vom Betrachter gerne als Glasurrisse bezeichnet, obwohl es sich um einen klassischen Scherbenbruch handelt. Man erkennt diesen "Spülbruch" daran, dass der Bruchverlauf wahllos, ohne ein erkennbares Verlaufsmuster sichtbar ist und immer der unter der Glasur befindliche Scherben in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Zeigen mehrere Artikel eines Modells gleichermaßen solche Beschädigungen an unterschiedlichen Stellen auf, ist dies ein eindeutiger Indikator dafür, dass nicht ein Mangel an dem Artikel selbst vorhanden ist, sondern die Ware nach de Spülvorgang "unzart" gestapelt wurde. Bei weiterer Verwendung solch schadhafter Geschirrteile treten Verfärbungen des Scherbens in den feinen Glasurrissen auf, die dann nach außen aufblühen. Lesen Sie hierzu bitte unseren Anwendertipp: Gewerbespülen.

 


 

Henkelbruch


 

Ist ein symtomatischer (augenscheinlich regelmäßiger) Abbruch des Henkels in der Henkelrundung und die Folge eines Herstellungsfehlers im Formenbau. Hinter dem Kontaktpunkt (Henkel / Becherkörper) ist die Henkelstärke (Dicke) des Becher- oder Tassenhenkels zu dünn ausgeprägt und bricht bei mechanischer Belastung augenscheinlich regelmäßig immer im gleichen Bereich. Gerade bei Trinkbechern, deren Henkel elegant aus dem Becherkörper herausschwingt, ist dies ein kritischer Punkt. Die elegante, schöne Optik darf nicht "zu schlank" sein, denn andernfalls kann man den Henkel ohne rohe Gewalt einfach vom Trinkgefäß abbrechen.

 


 

Henkelriss (Henkelabriß)
 

Der Henkel trennt sich in der ersten Phase des Henkelabriss mit sauberen Kanten vom Becherkörper ab und zeigt offenporige Flächen. In der zweiten Phase bedarf es dann einer zusätzlichen mechanischen Belastung, den übrigen Teil des Henkels quasi "abzureißen". In seltenen Fällen, vor allem bei minderer Produktionsqualität, trennen sich auch Henkel und Becher völlig glatt voneinander. Dabei kann es ausreichen, lediglich einen mit 100 - 200 g befüllten Kaffeebecher einfach anzuheben, um den Henkelabriss zu vollenden.  


Meist sind 2 Ursachen für diesen Fehler im Porzellan verantwortlich.

 

Zum Einen, bei einer konventionellen, handwerklichen Produktion von Porzellanbechern oder Tassen, aufgrund unsorgsamer, meist zu geringer oder sehr unregelmäßiger Verwendung der Porzellanschlicke, die zwischen Henkel und Becher aufgetragen wird, damit im Hartbrand Becher und Henkel quasi zu einem Stück verschmelzen. 


Zum Anderen bei maschineller (großindustrialisierter) Herstellung, wenn dem Roboter in seiner Grundeinstellung "ein Milligramm" Anpressdruck fehlt, vor allem bei nicht zylindrischen Becherformen mit konischer (siehe Bild links) oder bauchiger Form, einen geradlinig ausgestalteten Henkelsteg an einen nicht geradlinige, Hohlkörper zu pressen.


Dieses Erscheinungsbild entspricht der Qualitätsstufe "C-Sortierung", weil der Trinkbecher bei bestimmungsmäßigen Gebrauch seine Nutzungseigenschaft verlieren wird. Anders ausgedrückt: Wer einen solchen Trinkbecher seinem Gast anbietet riskiert im Zweifel nicht nur eine nasse Hose, sondern noch eine Schmerzensgeldklage wegen eines verbrühten "P" ...Oberschenkels!

 


 

Henkelöffnungen
 

sind keine Mängel im Sinne der Fertigung, vielmehr rühren sie produktionsbedingt durch das Herstellungsverfahren (sog. Casting), also im Guss- oder Druckgussverfahren her, weil Körper und Henkel in einem Prozess gemeinsam hergestellt werden. Porzellan, welches für den gewerblichen Einsatz hergestellt wird, sollte diese Öffnungen nicht aufzeigen, damit sich keine Speisen- oder Getränkerückstände an den schwer zugänglichen Stellen bilden können. Dennoch sind solche Öffnungen nicht als Produktionsfehler zu bezeichnen, soweit sich die Kontaktpunkte zu Speisen und Getränken reinigen lassen.  

 


 

 

Kantendeformation


 

von Stapelkanten ist leider ein Problem aller Hersteller (wie nebenstehende Foto einer deutschen Premiummarke). Selbst kleinste Veränderungen der Atmosphäre im Ofen können schon die Schwindungen der Ware derart verändern, dass Stapelporzellan mit geringen Toleranzwerten nicht mehr einwandfrei aufgestapelt werden kann. Auch Rohstoffkompositionen mit minimal unterschiedlichen Dichten führen ebenfalls bei stapelbaren, sensiblen Artikeln zu Einbußen der optischen Geradlinigkeit.


Solange die Funktion des Porzellan nicht wirklich eingeschränkt ist und sich der Mangel nur auf die optische Wahrnehmung des Betrachters beschränkt, zählen wir kleinere Ungenauigkeiten noch zu den Toleranzwerten, die gleichlautend in der DIN-Norm 66072 anerkannt werden.

 


 

Korrosion

Steelite-Korrosion

 

Korrosion (lat. corrodere ‚zersetzen‘, ‚zerfressen‘, ‚zernagen‘) ist aus technischer Sicht die Reaktion eines Werkstoffs mit seiner Umgebung, die eine messbare Veränderung des Werkstoffs bewirkt und bis zu einer Beeinträchtigung der Funktion eines Bauteils oder Systems führen kann. In der Geologie versteht man unter Korrosion die Zersetzung von Gesteinen durch Einwirkung von Wasser. Solche Verwitterungsprozesse spielen auch bei Gebäuden eine Rolle. In der Medizin bezeichnet die Korrosion die Zersetzung von Geweben. Bei Metallen ist vor allem chemische Korrosion von Bedeutung in der wohl bekanntesten Art als Rosten.

 

Auch die Oberflächen von Glas und keramischen Stoffen können korrodieren, also einem Oxidationsprozeß unterliegen. Dies als chemische Reaktion, bei der ein Atom, Ion oder Molekül Elektronen abgibt. Aus der Physik wissen wir, dass Wasser in Verbindung mit Druck ein leistungsfähiger Träger von Elektronen ist und somit dieser Faktor aus jeder handelsüblichen Spülmaschine quasi eine Elektronenschleuder macht. Jede Spülmaschine erhöht definitiv die Oxidationszahl und verteilt die Elektronen über die dort eingebrachten Körper und Stoffe. Profiköche wissen, dass ein einziges Küchenmesser mit einer Stahlklinge, oder ein Sparschäler aus Metall die Flugrostbildung auf hochwertigem Edelstahlbesteck begünstigt. Auch Porzellan mit weniger harten Oberflächen ist gegenüber solchen Korrosionsprozessen anfällig. 

 

Vor allem Scherben mit einer ausgelobten physischen Belastungsfähigkeit, also Bruchfestigkeit, können aufgrund der Beigabe von verstärkenden Additiven nicht bei 1.350°C gebrannt werden. Eine Reihe vornehmlich Englischer Hersteller gebrauchen die Bezeichnung "Durable" oder "Resistant". Fragen Sie in solchen Fällen unbedingt nach der Brenntemperatur, ansonsten geht es Ihnen wie diesem Marriott Hotel (Bild oben).

 

Ob aber diese Art der Korrosion ein Mangel des Porzellan darstellt, bleibt zu beweifeln. Zum einen gibt es gleich eine ganze Reihe von Herstellern, die eine solche Ware - teilweise mit großem Erfolg - in den Märkten absetzt, zum anderen können Gäste und Gastgeber durch den Einsatz großer Dekorflächen und farbigem Porzellan die optischen Korrosionserscheinungen gut kaschieren und den Zersetzungsprozess damit visuell verlängern. Mag sich vielleicht so erklären, warum gerade unter diesen Markennamen die Dekorreichhaltigkeit so vielfältig - und Weißporzellan so selten ist. Letztlich ist nur der weiße Teller - wie das weiße Handtuch im Bad - für den Gast ein gut sichtbarer Garant einer hygienischen Reinheit.   

 

Vor allem aber wird die Porzellankorrosion durch den Einsatz sehr starker, chemischer Spülmittel begünstigt, was letztlich einer Verfehlung des bestimmungsmäßigen Gebrauch entspricht. Im Zweifel verlangen Sie bitte Hartporzellan um das Risiko einer Porzellankorrosion vollständig auszuschließen.  

 


Loch (Öffnung)

 

Lochoeffnung

 

Porzellanartikel mit einem massiven Griff, einem Knauf oder auch Deckelknöpfe haben meist ein kleines, kaum wahrnehmbares Loch. Über eine solche Öffnung wird die Luft während des Brennvorganges abgeführt, die in einer Hohlkammer des Porzellans entsteht. Ohne diese Luftauslassöffnung ist es nicht möglich, Hohlteile in Porzellan herzustellen. Es gibt Anbieter, die solche Öffnungen durch den Einsatz von Kunststoffen, Silikonen oder anderen Fremdstoffen nachträglich verschließen. Wir von Holst Porzellan haben jedoch noch keine, derartige Möglichkeit gefunden, die der Lebensmittelbedarfsgegenständeverordnung vollumfänglich gerecht wird. Abgesehen davon unterliegen keramische Massen und Kunststoffe sehr unterschiedlichen Korrosionsverhalten. 

In früheren Zeiten, heute nur noch bei bei sehr teurer Weißware oder bei dekoriertem Porzellan, werden solche Öffnungen nachträglich mit Porzellanschlicke geschlossen und ein zweites Mal gebrannt. Dabei entsteht nochmals Ausschuss durch das Risiko einer Verformung des Knaufs. Würde man den Henkel ohne Loch fertigen wollen, müsste man ihn quasi massiv machen - was ebenfalls produktionstechnisch nicht möglich ist. Am Ende wäre er so schwer, dass er einfach im Brennprozess abfallen würde.

Wir von Holst Porzellan bemühen uns deshalb, dieses "Muß-Loch" so dezent wie möglich anzubringen und so klein wie möglich zu halten. Abgesehen von der rein optischen Wahrnehmung sollte das Loch so klein ausgeformt sein, dass keine festen Fremdstoffe eindringen können. Etwaig anfallendes Restwasser, welches sich beim Spülen in geringen Mengen in dem Hohlkörper ansammeln kann, sollte dabei nicht in die Kontaktfläche von Speisen und Getränken laufen.  

Deshalb gilt eine solche Öffnung nicht als Produktionsfehler sondern stellt vielmehr eine Notwendigkeit durch die Beschaffenheit der Ware dar. Das Eindringen von Spülwasser kann übrigens verringert werden, indem der Körper schräg eingestellt wird und damit nicht direkt den Spüldüsen ausgesetzt ist. Etwaig verbliebenes Restwasser trocknet bzw. verdunstet im natürlichen Prozess. Sollte es im gewerblichen Einsatz - z.B. im Stoßgeschäft - zu einem Austritt unerwünschter Restfeuchte kommen, empfehlen wir den Porzellanartikel nach dem Spülen, bzw. vor einer neuerlichen Befüllung, für wenige Sekunden in die Mikrowelle zu stellen.  

 


Nadelstriche
 

zählen zur Familie der Schönheitsfehler und sind minimal sichtbare, Nadelstiche, kleine Schleifflecken, Luftblasen, kleine nachglasierte Brandrisse. Die Anzahl der Nadelstiche bezeichnet die Schwere des Schönheitsfehlers. Kleine Glasurfehler in geringer Stückzahl (meist 1 bis 2), oder minimale Deformation der Scherbe, oder eine nicht ganz einheitliche Farbschattierung des Scherbens, die nur durch hin- und her bewegen des Porzellanartikel sichtbar werden zählen i.d.R. nicht zu den Fehlern in Porzellan. Solche Vorkommnisse sind nur bei ausgelobter I. Wahl ein Mangel und finden sich bei nahezu allen Herstellern, ab der Qualitätsstufe "Mischsortierung" oder "handelsübliche Sortierung" und sind vor allem bei Gastronomieporzellan mit bis zu 15% Anteil durchaus branchenüblich. I.d.R. belohnt der Hersteller solche Toleranzen mit einem Preisvorteil zwischen 25% und 38% gegenüber der ersten Wahl. Dem günstigen Preis ist hier eine großzügigere Sortierung geschuldet. 

 


 

Unglasierte Borde
 

Ist eine fehlende Bordglasur auf Tassen und Bechern. Als Borde bezeichnet man den oberen Rand (Mundrand) eines Porzellankörpers. Vor allem dünnwandige Schalentassen können nur "kopfüber", also mit der Öffnung nach unten gebrannt werden, denn andernfalls würde der Henkel mit seinem Gewicht während des Brandes die Tasse in ein Oval verziehen. Deshalb verzichten die meisten Hersteller dünnwandiger Schalentassen - auch Manufakturen wie Meissen, Tirscheneuth u.a. auf das Nachglasieren der Borde. Diest meist aus Kostengründen. Alle Tassen und Becher der Holst Porzellan/Germany Kollektion HP11 sind übrigens bordglasiert! Dennoch sind fehlende Bordglasuren kein Mangel, wenngleich sie schon nach kurzzeitigem Gebrauch starke Verfärbungen aufweisen können. 

Fragen Sie beim Kauf, ob der Artikel bordglasiert ist oder nicht! 

 

 


 

Unglasierte (plane) Böden
 

Viele Porzellanartikel werden ausdrücklich mit unglasierten Böden gefertigt. Backformen, Tarts, GN-Schalen u.v.m. sind Artikel, die u.a. für einen Wärmetransport durch Kontaktwärme genutzt werden. Um das zu gewährleisten, darf der Porzellangegenstand keinen Stellring haben und sollte auf der Wärmequelle "plan" aufliegen.  

Da die Porosität von Porzellan eine Dichte von max. 0,05 besitzt, stellt die unglasierte Stelle keinerlei Einschränkungen auf die Funktion oder den Einsatz der Ware dar. Es kann vorkommen, dass ein Porzellanartikel (rein) optische Blessuren auf der Unterseite aufweist. Rückstände von Schamott,  Sand oder minimale Porzellansplitter auf dem Brennschlitten hinterlassen in den glatten Böden gerne "Brennrückstände", die aber zum normalen Produktbild eines Artikel mit planem Boden gehören.


Bei längerem Gebrauch können die Böden Verfärbungen erleiden. Kristalline Feststoffe setzen sich in den Poren ab und bilden den Nährboden für Edelstahlabrieb oder Staubbrand.  Dies ist ganz normal und stellt bei sachgemäßer Reinigung keinen hygienischen Nachteil dar und kann mit jedem beliebigen Porzellanreiniger vollständig wieder entfernt werden.

 


 

Scharfkantige Stellringe
 

sind gerade bei großen Massenproduktionen (Pizzateller, Kantinenteller u.a.) oft ein unvermeidbares Resultat eines günstigen Preises. Ob es sich um tatsächlich um einen Mangel oder nur um eine optische Wahrnehmung handelt, entscheidet der Einzelfall. Als Faustregel gilt: Solange Bruchkanten nicht überstehen oder äußere Beschädigungen verursachen, sind diese als Bestandteil einer Mischsortierung oder handelsüblichen Sortierung hinzunehmen, dürfen aber in ausgelobter I. Sortierung nicht vorkommen. Achtung: Bei Inbetriebnahme berechtigt mangelhafter Ware haften weder Hersteller noch Händler für Beschädigungen, die durch das Porzellan entstanden sind (Prüfungspflicht der Ware vor Inbetriebnahme).

 


 

Unterschiedliche Scherbenfarben

 

Sind im Grunde keine produktionsbedingten Mängel, sondern vielmehr das Resultat unterschiedlicher Produktionsbetriebe, die in einer Kollektion "versammelt" sind.  Gerade bei Importfirmen ist häufig festzustellen, dass eine Serie oder Porzellanlinie mehrere Farben und eine unterschiedliche Brillianz aufweisen. Hierbei handelt es sich um Firmen, die ihre Waren an den verschiedensten Stellen einkaufen und dem Verbraucher eine zusammenhängende Linie suggerieren. Tatsächlich kann es sich bei solchen Vorkommnissen um verschiedenste Qualitäten mit ganz unterschiedlichen Qualitätsmerkmalen handeln. Meist verändern sich die Farben auch je nach Kaufdatum, da solche Unternehmen keine konstanten Produktionschargen unterhalten (u.a. auch Postenhändler). Wer also Wert auf Qualität und Nachkauf legt, sollte besonders auf Farbunterschiede in den Kollektionen der Anbieter achten.

 

(Name des Anbieters wurde auf dem Bild von uns unkenntlich gemacht).

 


 

Wandstärkentoleranzen
 

Porzellan hat i.d.R. keine "exakt" gleichen Wandstärken! Halbautomatisch oder manuell hergestelltes Geschirr weist dabei höhere Toleranzwerte auf als vollautomatisch hergestelltes Porzellan. 

Die halbstarke Scherbe (also Hotelporzellan) unterliegt hierbei dabei sogar größeren Schwindungsdifferenzen als Haushaltsporzellan. Da jeder Hersteller für sich unterschiedliche Scherbenstärke für den Produktionsprozess vorgibt, lässt sich in Punkto Wandstärke keine allgemein gültige Regel ableiten. Aber schon die Veränderung der Wandstärke um 1 mm kann das Gewicht eines Geschirrteils bis zu 10% verändern.

 

 

 

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